Weltherztag, Liebeskummer, Amorex

29.Sept WELTHERZTAG: Verlustangst und das ‚gebrochene Herz’

28. September 2017

Wie oft fürchten wir, einen geliebten Menschen zu verlieren? Auch nur der Gedanke, von ihr/ihm getrennt zu sein, löst in uns Angst, sogar Panik aus, wir fühlen uns verloren und ‚aus dem Häuschen’.

Diese turbulenten Gefühle sind das Ergebnis biochemischer Prozesse, die in Wechselbeziehung zum ventralen Tegmentum, der Amygdala und allgemein zum limbischen System des Gehirns stehen. Im speziellen sind in diesen Bereichen folgende Hormone involviert: Oxytocin und Vasopressin1, bekannt als Peptide der Liebe und der Angst. Ursprünglich wurden sie nur mit dem Stillen des Babys und der Blutdruckregulierung in Verbindung gebracht, aber es stellt sich immer mehr heraus, dass sie auch mit dem Entstehen sozialer Beziehungen, dem sexuellen Verhalten und Stress korrelieren. Deren enge Verbindung mit der Amygdala und mit der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenachse legt auch eine Beteiligung beim Entstehen von Störungen wie Schizophrenie, Autismus, Depressionen und Süchten nahe.

Das Oxytocin beeinflusst uns vom Beginn des Lebens an. Vom 7. bis zum 15. Lebensmonat entwickelt sich durch den Einfluss des Oxytocins die Bindung zur Mutter. Mehr noch: die Qualität und Tiefe dieser ersten Bindung beeinflusst im Erwachsenenalter die Bindungsfähigkeit zum eigenen Partner.
Diese ‚Beziehungsfähigkeit‘ des Erwachsenen zeigt sich dann in 
4 Bindungsarten2:

Typ A: distanziert-abweisend: verhält sich in der Paarbeziehung und in Intimleben zurückhaltend, weil er/sie als Kind emotional zurückgewiesen wurde und wenig Unterstützung durch die Eltern erfahren hat. 

Typ B: sicher-autonom: kann mit Distanz, Trennung und negativen Erlebnissen in der Paarbeziehung gut umgehen weil die Beziehung zu den Eltern in allen positiven und negativen Aspekten reflektiert werden durfte und die Eltern nicht idealisiert werden wollten.

Typ C: vorbelastet-verstrickt: erlebt den Abstand vom Partner mit extremer Angst, ist emotional vom Partner abhängig, weil er/sie als Kind eine schwache, unsichere Bezugsperson hatte, die es in Momenten, in denen es Schutz und Beruhigung gebraucht hätte, allein gelassen hat. Dahere entwickelte das Kind ein extrem anklammerndes Verhalten, das es auch als Erwachsener behält.

Typ D: ungelöst: hatte Eltern, die traumatisiert waren und für die das Kind die Verantwortung übernehmen sollte/wollte. Das Kind spürte, dass es von den Eltern keinen Schutz und Unterstützung erwarten konnten aber umgekehrt die Eltern schützen und unterstützen sollte. Dieses verkehrte Verhältnis spiegelt sich auch in der Partnerschaft durch Übernehmen von überdurchschnittlich viel Verantwortung bei gleichzeitig unerfülltem Bedürfnis nach Nähe und Sicherheit.

Wenn ein Kind sieht, dass die Mutter sich entfernt, weint es. Es erlebt den Abstand mit Angst vor Verlust und das lässt sich nicht anders lösen, als dass die Mutter wieder zurückkommt. Eine vorübergehende oder dauerhafte Trennung von einer geliebten Person erzeugt in uns also einen starken Stress. Manchmal kann dieser so stark sein, dass sogar das Herz bricht3, wie einige Studien zeigen. Der dafür gebräuchliche Begriff ist das ‘Broken Heart Syndrom’, also Syndrom des gebrochenen Herzens. Medizinisch ist dieses Phänomen als ‘Tako-Tsubo- Kardiomyopathie’ bekannt, benannt durch einem japanischen Forscher, welcher solche Ereignisse erstmals 1990 bei Patienten beschrieben hat, die aufgrund starkem emotionalen Stress Symptome ähnlich einem Infarkt  zeigten.4

Dies alles beweist, dass Trennung oder Verlust eines geliebten Menschen ein nicht zu unterschätzender Stress und psychophysische Belastung sein kann. Und auch wenn jeder Mensch besser oder schlechter damit fertig wird, so zeigen uns diese Konzepte und Studien, dass unser Herz tatsächlich krank werden oder sogar brechen kann wenn wir jenen Menschen verlieren, für den es schlägt.

COROPHARM ist mit AMOREX Partner der World Heart Federation.
Zum Weltherztag am 29. September möchten wir betonen, dass
neben Cholesterin und Bewegungsmangel auch die Liebe wichtig für die Herzgesundheit ist. Wer Liebe und Beziehung frei, erfüllend und glücklich leben kann, der hilft seinem Herzen. 

Artikel von von Dr. Gaia Vitali


1 Wójciak, Paweł & Remlinger-Molenda, Agnieszka & Rybakowski, Janusz. (2012). [The role of oxytocin and vasopressin in central nervous system activity and mental disorders]. Psychiatr Pol. 46. 1043-52. 

2 http://www.uni-kassel.de/upress/online/frei/978-3-89958-908-5.volltext.frei.pdf

3 Increased Risk of Acute Cardiovascular Events After Partner Bereavement: a Matched Cohort Study. I.M. Carey, S.M. Shah, S. DeWilde, T. Harris, C.R. Victor, D.G. Cook, Author Affiliations, JAMA Intern Med. 2014;174(4):598-605. doi:10.1001/jamainternmed.2013.14558.

4 http://de.wikipedia.org/wiki/Stress-Kardiomyopathie