Liebe schmerzt

Die Liebe ist das Licht unserer täglichen Existenz. Doch wie findet man Lebensfreude und Ausgeglichenheit wenn diese Flamme erlischt? Kann man einfach aufhören zu lieben – und damit zu leiden – wenn man einen geliebten Menschen verliert oder wenn eine Beziehung trotz aller Bemühungen nur unglücklich macht?

Erst seit einigen Jahren hat die Wissenschaft dieses Thema aufgegriffen. Unter dem Begriff romantic stress werden die Leidempfindungen und körperlichen Probleme verstanden, die aus enttäuschter oder fehlender Liebe, in problematischen Beziehungen und bei Verlust/ Trennung entstehen.
Leiden aus Liebe ist bis zu einem gewissen Grad normal und in Ordnung. Es hilft dem Menschen zu lernen und sich persönlich weiterzuentwickeln. Wenn dieses Leid jedoch zu schmerzhaft wird und sich sogar gegen die körperliche und psychische Gesundheit richtet dann sollten Betroffene oder nahestehende Personen Hilfe in Anspruch nehmen. Man sollte sich bewusst sein dass sich niemand für Liebesleid schämen muss. Wer diesen  Schmerz nicht verdrängt aber erkennt und sich aktiv damit auseinandersetzt kann ihn überwinden.

romantic stress und seine Formen:

Trennung und Verlassen
Wir alle kennen die Angst Verlassen zu werden, alleine zu sein. Nach der Lehre der Psychoanalyse erleben wir das ‚Verlassen sein‘ das erste Mal bei der Geburt, wenn wir die Einheit mit dem Körper der Mutter verlieren. Später im Leben, wenn uns ein geliebter Mensch verlässt, wiedererleben wir diese Urangst, das Gefühl ganz allein auf der Welt zu sein. Und diese Gefühle werden durch bestimmte Botenstoffe im Körper gesteuert. 


Liebeskummer

Die zerbrechliche und komplizierte Liebe quält uns mit unseren eigenen Ängsten und Wünschen. Wer kennt nicht den Wechsel zwischen tiefer Traurigkeit und Hochgefühl, das flaue Gefühl im Magen, einfach nicht schlafen oder sich auf die Aufgaben konzentrieren zu können. Man sagt ‚die Zeit heilt alle Wunden‘, doch oft heilt die Wunde Liebeskummer nur oberflächlich ab. Es bleibt eine innere Leere die aufzehrt, sie nimmt uns  Ausgeglichenheit und die Konzentration für das Leben. Unter diesen Umständen fühlt man oft dass nur die geliebte Person – das “Objekt” der Liebe – die einzige Rettung wäre … doch diese ist und bleibt unerreichbar. So bleibt man mit dem schneidenden Gefühl des Liebeskummers allein und unverstanden.  

 

Beziehungskrise
Die romantische Liebe ist ein physiologisches Phänomen, so wie das Leben. Bereits im Moment in dem man sich verliebt, ist die eigene Existenz vollkommen vom ‘Objekt der Liebe’ absorbiert. Unser Körper bildet jetzt ein Feuerwerk an Botenstoffen, so entstehen Euphorie, Idealisierung, Übertreibung, obsessives Verlangen nach dem, den wir lieben. In diesem Rauschzustand fühlt man, dass diese Liebe für immer halten wird, doch nach einiger Zeit läuft das Schiff des gemeinsamen Lebens oft auf der Trockenheit der täglichen Existenz auf. Paare fühlen sich an einem toten Punkt angelangt, ohne jede Orientierung. Die richtige Richtung für die Beziehung wiederzufinden ist schwierig, Kraft und Motivation nehmen ab. In diesen Fällen kann die Unterstützung der Botenstoffe jene Energie wiederbringen um gemeinsam weiterzusegeln.

 

Einseitige Liebe
Zu lieben ist wunderschön, aber es ist noch viel schöner wenn man auch selbst geliebt wird. Denn einseitige Liebe bleibt unerfüllt und diese Zurückweisung führt über kurz oder lang zu Enttäuschung, persönlichen Selbstzweifeln und Defiziten die auch in physischen Problemen enden können. Diese Gefühle der Bindung an die geliebte Person basieren auf einem Mangel an bestimmten, genau definierbaren Botenstoffen. 

 

Eifersucht und obsessive Liebe
Angst und Unsicherheit, eine Furcht vor Verlust die auffrisst. Liebt er/sie nur mich oder sind da auch andere Menschen in seinem/ihrem Leben? Und betrachten diese den geliebten Menschen mit Bewunderung oder gar Verlangen? Eifersucht ist ein Besitzergreifen, womit man sich selbst und den anderen nur Leid bringt und Schuldgefühle aufdrückt. Man fürchtet die geliebte Person zu verlieren und daher empfindet man jede beziehungsstiftende Handlung des Partners als verdächtig und setzt ihn immer mehr unter Druck. Dieses starke Bindungsgefühl ist sogar an körpereigenen Substanzen im Blut nachweisbar und daher auch positiv beeinflussbar.

 

Abschied
Wut, Leere, Hilflosigkeit, ‚Nicht wahrhaben wollen‘, der Wunsch vor dem Schmerz zu fliehen – immer wieder durchleben wir in uns alles das was die verlorene Person für uns bedeutet hat. Es quälen Gewissensbisse und Trauer weil man bestimmte Dinge nicht gemacht oder gesagt hat als die geliebte Person noch da war, noch lebte. Am Ende müssen wir oft erkennen, dass es gänzlich unmöglich ist, die gefühlsmäßige Bedeutung eines solchen Verlusts wahrnehmen oder diesen gar akzeptieren zu können. Glücklich ist wer in solchen Momenten die Unterstützung und Nähe von Freunden und Verwandten hat.