Geruch-pheromone-verlieben-liebe

Immer der Nase nach zur Traumfrau

27. Juni 2016

oder: Warum Online-Dating erst richtig funktionieren wird, wenn es Geruchs-Computer gibt.

Das ca. 2 mm große Vomeronasale Organ (VMO) sind zwei Kanäle an der Nasenscheidewand. Es ist Teil des olfaktorischen Systems und doch kann man damit nicht den Duft von Blumen oder einem leckeren Schnitzel erfassen. Es ist ausschließlich dazu da, chemische Signale von Hormonen und Pheromonen anderer Personen zu ‚erschnüffeln‘.
Natürlich läuft das überhaupt nicht bewusst ab, denn sonst wäre nicht erklärbar, dass Frauen außerhalb ihrer fruchtbaren Zeit umgehend das eisprungeinleitende Hypophysenhormon LH bildeten, wenn sie die Achselpads von anderen Frauen rochen, die gerade ihren Eisprung hatten.1 Gut und gerne konnten sie allein in diesem Versuch bis zu zwei Wochen ihres Zyklus überspringen und umgehend wieder fruchtbar sein.

In einem anderen Versuch wurden Mäusinnen ohne Mäuseriche gehalten. Ihr menstrueller Zyklus wurde immer langsamer und hörte schließlich ganz auf. Sobald sie wieder auf Männchen trafen, wurde ihr Zyklus neu gestartet. Gerade bei Mäusen ist das VMO besonders ausgeprägt und die chemischen ‚Informationen‘ über paarungsbereite Sexualpartner werden so übermittelt.2

Das neuroendokrine System ist entscheidend für das Paarungsverhalten: bei Männern ist das „Werbungsverhalten“ umso vehementer, je höher ihr Testosteronniveau ist. Mehr noch: männliche Testosteronlevels werden durch chemosensorische Signale von Frauen verändert – vor allem wenn diese im Eisprung, also fruchtbar sind. Ein Versuch aus 2006 zeigte, dass Männer, die an T-Shirts von Frauen im Eisprung rochen, diesen Duft als besonders angenehm empfanden.3 Aber es geht noch weiter: 2010 wurde gezeigt, dass auch ihr Testosteronspiegel gerade beim riechen solcher T-Shirts sprunghaft anstieg.4 Bei T-Shirts von Frauen außerhalb der fruchtbaren Tage passierte das nicht: weder empfanden sie den Geruch als besonders gut noch bildeten sie mehr Testosteron.

Vor allem das Gen V1RL1 scheint eine wesentliche Rolle für die Wahrnehmungsfähigkeit zu spielen.1 Durch die Nase über das VMO inhalierte Pheromone docken an diesen Rezeptor an und der Matingpartner kann ‚erschnüffelt‘ werden. Selbst wenn im Winter unsere Nase trieft – es reichen wenige im Sekret gelöste Duftmoleküle um die ‚Botschaft zu verstehen‘.

Auch die Damenwelt ist von den Herren der Schöpfung beeinflusst: im Wartezimmer eines Frauenarztes wurde beobachtet, welcher der aufgestellten Sessel nie von einer Frau benutzt wurde. Darauf setzte sich für 1 Stunde ein Mann. Und in den folgenden Stunden war dies der Sessel, auf den am meisten Frauen Platz nahmen.

Die sexuelle Attraktion eines Mannes oder einer Frau wird offenbar nur zu einem Teil durch das Aussehen oder die menschlichen Werte bestimmt. Die wichtigste Rolle spielen subtile biologische Prozesse. Evolutionsbiologen stellen lapidar fest: „Das Paarfindungsverhalten beim Menschen läuft gar nicht anders ab als bei anderen Tieren“5.
Könnte das ein Grund sein, warum das Online-Date in der Wirklichkeit enttäuscht und keine Schmetterlinge bei uns auslösen kann? Klar, er/sie ist sympathisch und sieht gut aus wie in seiner/ihrer Profilbeschreibung – aber das dürfte offenbar doch nicht alles sein, was wir Menschen für den Kick zum Verlieben brauchen. #aboutLOVEblog

1  Gabrielle Glaser: The Nose. A profile of Sex, Beauty and Survival. Atria, 2002. 
Wikipedia, Das Vomeronasalorgan.
Havlicek, J., Dvorakova, R., Bartos, L., Flegr. J. (2006). Non-advertised does not mean concealed: Body odour changes across the menstrual cycle. Ethology, 112, 81-90. 
Miller, S.M., Maner, J.K. (2010). Scent of a Woman: Men’s Testosterone Responses to Olfactory Ovulation Cues. Psychological Science, 21(2), 276-283
5 Buss, D.M. (1989). Sex differences in human mate preferences: Evolutionary hypotheses tested in 37 cultures. Behavioral and Brain Sciences, 12, 1-49.